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Kehrt um und glaubt an das Evangelium

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Kehrt um und glaubt an das Evangelium – das sind die ersten Worte, die uns von Christus in der Heiligen Schrift überliefert sind. Aber Umkehr ist nicht einfach und nicht beliebt – zu allen Zeiten und bei uns allen merken wir, dass unser Leben und die Gebote Gottes nicht übereinstimmen.

Aber es ist menschlich nicht einfach, das ganze Leben im Zwiespalt zu leben: So sollte ich sein – aber leider so bin ich! So versucht man, Leben und Gebote in Übereinstimmung zu bringen. Wenn man sich selbst nicht ändern will, ist es die einfachste Lösung, die Wahrheit Christus auszuschalten, ans Kreuz zu schlagen und dem, der für die Wahrheit Zeugnis ablegt – etwa Johannes der Täufer – den Kopf abzuschlagen.

Dennoch merkt man innerlich, dass die Abschaffung der Wahrheit doch keine Lösung sein kann. Man findet keinen Frieden mit sich und den anderen in der Welt, wenn man die Gebote abschafft. Die Wahrheit des Evangeliums fordert immer die Umkehr des Menschen. Aber weil der Mensch sich mit der Umkehr so schwertut, aber doch Leben und Gebote in Einklang bringen möchte, geht er weiter gegen die Wahrheit vor.

Wir Älteren haben noch im Erstbeichtunterricht die Zehn Gebote auswendig gelernt, aber schon längere Zeit findet man sie nicht mehr in den Vorbereitungsmappen für den Erst-Beichtunterricht. Manche unserer besorgten Eltern erzählen mir, dass es in vielen Gebieten Deutschlands gar keine Erstbeichte vor der Erstkommunion mehr gibt. Aber wie könnte Christus in ein Herz kommen, das in Sünde bleiben möchte? Man braucht nicht mehr zu beichten, berichteten etwas irritiert unsere Gläubigen, die vor 1989 in den Westen fahren durften. Und bei den jüngsten Diskussionen, ob man evangelischen Christen unter bestimmten Bedingungen die hl. Kommunion reichen dürfe, wurde immer ein „Recht auf Eucharistie“ ins Spiel gebracht (wobei niemand sagen konnte, woher ein solches Recht kommen sollte), niemals aber ein „Recht auf Beichte“.

Es bleiben immer klägliche Versuche, die Diskrepanzen zwischen Leben und Geboten aufheben zu wollen. Solange es Menschen gibt, bleibt es eine ewige Wahrheit: Der Mensch ist immer in die Spannung zwischen Sein (so bin ich) und Sollen (Anspruch, Verantwortung) gestellt und diese Spannung lässt sich niemals auflösen. So ist unser Menschsein.

Im ersten Dialogprozess, der sich in der Bibel findet, suggeriert die teuflische Schlange dem Menschen, dass wenn er das Gebot Gottes nicht beachtet – er wie Gott sein würde. Der Mensch lässt sich auf diesen Dialogprozess ein. Er hebt die Diskrepanz zwischen seinem Leben und dem göttlichen Gebot auf, meint die Einheit zwischen Sein und Sollen erreicht zu haben – er ist jetzt wie Gott – und verliert das Paradies.

Solche Dialogprozesse durchziehen fortan die ganze Kirchengeschichte bis heute, ein Drama unendlichen Ausmaßes mit Auswirkungen auf das ewige Paradies.

Mit dem Bösen kann es keinen Dialog geben, den Teufel muss man bekämpfen und wer euch ein anderes Evangelium bringt - so sagt der hl. Paulus –, der sei verflucht.

Gegenwärtig versucht man einen Ansturm auf das 6. Gebot (ausgerechnet von denen, die immer behaupten, die Kirche sei darauf fixiert und solle dazu überhaupt nichts mehr sagen) mit dem merkwürdigen „Argument“, dass das lebensfremd sei und soundso viel Prozent sich sowieso nicht daran halten. Das ist insofern merkwürdig, als etwa beim 8. Gebot (Du sollst nicht lügen) 100 % aller Menschen aller Zeiten dagegen verstoßen. Aber niemand würde auf die Idee kommen, dieses Gebot abzuschaffen, weil sich doch niemand daran hält. Wieso will man versuchen, beim 6. Gebot eine Übereinstimmung von Leben und Gebot zu erzwingen, die es doch bei nicht einem einzigen Gebot gibt? Ganz offensichtlich sind die sogenannten Reformer auf das 6. Gebot fixiert und nicht die Kirche, der sie diesen Vorwurf machen.

„Hat Gott das wirklich gesagt?“, so die teuflische Schlange. Ja, Gott hat wirklich gesagt: Kehrt um und glaubt an das Evangelium! Bleiben wir ehrlich und gehen nicht den vielen Ideologien und Manipulationen auf den Leim! Wir sind nicht von vorgestern, nein: Wir gehören dem Ewigen, dem Herrn aller Zeiten; und wir leben nicht hinter dem Mond, nein: Wir gehören zu Christus, dem Herrn des ganzen Kosmos.

Wir werden den Frieden und die Freude nur finden, wenn wir umkehren und Christus und Seinen Geboten treu bleiben.

Von Herzen wünsche ich uns allen eine Fastenzeit voll Gnade und Wahrheit,

Friede und Freude im Heiligen Geist!
Ihr Michael Theuerl. Pfarrer