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Geistliches Wort

Die Liebe und der Glaube leben nicht von Informationen aus dem Verstand, sondern vom In-die-Tiefe-gehen

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In diesen Wochen machen viele von uns Urlaub, Ferien. Wir sagen: Wir haben Freizeit, eine freie Zeit, frei vom Eingespanntsein in die üblichen alltäglichen Verpflichtungen, frei von Stress und Hektik, frei für uns selber, für Ausruhen und Erholung. In einer solchen Zeit kommen wir dazu, über unser eigenes Leben, über die Mitmenschen, über Gott tiefer nachzudenken. Die vielen allzu schnell und zu zahlreich auf uns einstürmenden täglichen Ereignisse und Informationen können wir oft nicht mehr recht aufnehmen und verarbeiten; wir fühlen uns gehetzt und gehindert, über manche Ereignisse im Leben tiefer nachzudenken, den Dingen auf den Grund zu gehen und wir befürchten, dass wir mit der Zeit in einer solchen Überfülle unseren Tiefgang und damit auch unsere Verankerung verlieren und oberflächliche Menschen werden. Wie schön, wenn solche Ferienzeit – wenn sie nicht von vornherein wie die „normale“ Zeit stressig verplant ist – uns Gelegenheit gibt, nicht nur zu „funktionieren“, sondern wirklich zu leben im Einklang mit uns selbst, mit der Schöpfung, mit den Mitmenschen, mit unserem Schöpfer und Erlöser.

Im Alltag sagen wir oft: Das habe ich schon gehört, das kenne ich schon. Wir registrieren Informationen und haken sie ab. Aber wir ahnen, dass wirkliches Leben mehr ist. Wenn jemand einem anderen sagt: „Ich liebe dich!“ - dann wird der Angesprochene, wenn er wirklich etwas von Liebe versteht, nicht sagen: „Das hast du mir schon dreimal gesagt; das habe ich registriert; du kannst jetzt zu einem anderen Thema kommen!“ Der Verstand hat etwas gegen Wiederholungen – aber die Liebe liebt Wiederholungen, wie wir auch an kleinen Kindern sehen, die immer und immer wieder ihrer Mutter dasselbe erzählen, was sie im Herzen so bewegt.

Dasselbe gilt auch für unseren Glauben, der ja auch eine Liebesbeziehung ist. Wir kennen alle die Bibelstellen, die in der Kirche vorgelesen werden, wir verfügen über alle Informationen über Weihnachten, Ostern und die anderen Feste – und weil es ja nichts „Neues“ gibt, weichen viele auf andere Themen aus - beschäftigen wir uns lieber mit anderen Religionen, was neue Informationen für uns bietet.

Die Liebe und der Glaube leben nicht von Informationen aus dem Verstand, sondern vom In-die-Tiefe-gehen, vom Wiederholen, vom Bleiben, vom Genießen des Herzens. „Bleibt in meiner Liebe“, sagt Christus; und der Psalmist lobt den, der Freude hat an der Weisung des Herrn, der über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht. Vielleicht kann uns in den Ferien dieses immer wieder Nachsinnen, Genießen, Verkosten geschenkt werden im Betrachten der Schönheit der Natur, im Nachdenken über unser Leben und die göttlichen Spuren darin, im Betrachten, Verweilen und Vertiefen von Worten der Heiligen Schrift, in denen uns Gott selber begegnet.

Von Herzen wünsche ich uns allen für diese Zeit des Ausruhens Muße und Freude aus der Tiefe unseres Herzens, wo Gott wohnt.

Im Gebet verbunden
Ihr
Michael Theuerl, Pfr.