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Geistliches Wort

Ich verzichte für eine begrenzte Zeit auf etwas, das mir wertvoll ist

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Da haben wir also wieder Fastenzeit. In den Geschäften steigt das Angebot an bunten Eiern, ob gekocht oder aus Schokolade. Die Dekoration wird farbenfroh mit Häschen und viel Grün. Alles ist da, um sich auf die Feier vorzubereiten. Und irgendwie muss man ja auch die Sachen für das Fest bis zum Ostersonntag einkaufen, denn wer am Dienstag in der Osterwoche ins Geschäft kommt und nach den Ostersüßigkeiten fragt, dem kann es passieren, dass es heißt: „Ostern ist doch vorbei! Da hinten in der Ecke ist der Rest, der kostet jetzt auch nur noch die Hälfte.“ So sind die Abläufe in unseren Geschäften. Da könnte man glatt durcheinander kommen, wann wirklich Ostern ist und ob es überhaupt noch eine Fastenzeit gibt. Kommt es vielleicht sogar bei uns selbst zu einer solchen Verwirrung? Das wäre schade und es sollte nicht sein, dass wir unsere Traditionen vergessen. Ostern wollen wir feiern von der Osternacht bis zum Pfingstfest, doch jetzt geht es darum, sich intensiv vorzubereiten. Dazu dient die Fastenzeit.

Aus religiösen Gründen eine Zeit des Fastens zu halten, kennen ja nicht nur die Christen. Unser Herr Jesus Christus hat uns aber aufgetragen, unter einem besonderen Aspekt zu fasten. So antwortete er auf die Frage der Pharisäer nach dem Fasten seiner Jünger: „Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten. Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; an jenem Tag werden sie fasten.“ (Markus 2,19-20)

Das heißt, mit unserem Fasten sollen wir daran erinnert werden, dass der Erlöser seinen Jüngern durch den Tod für ein paar Tage genommen war. Deshalb soll das Fasten der Christen immer den Aspekt des „Ich verzichte für eine begrenzte Zeit auf etwas, das mir wertvoll ist“ in sich tragen. So fällt es schwer in der Fastenzeit eine Regel anzugeben, die für alle gleich ist. Würde ich sagen „Du sollst kein Fleisch essen“, wäre das für den Vegetarier kein Problem. Er würde auf nichts verzichten. Würde ich sagen „Du sollst dein Computerspielen einschränken“, wäre es für andere Menschen kein Problem. Wer an Computerspielen kein Gefallen hat, würde auf nichts verzichten. Wer die Fastenzeit nutzt, um sein Gewicht zu reduzieren, darf das gerne tun und er wird dabei sicher auf etwas Wertvolles verzichten. Es sollte dabei aber der Bezug zu Jesus Christus nicht verloren gehen. Auf was will ich also verzichten? Worin will ich mich einschränken um Jesu willen. Darauf muss jeder seine eigene Antwort finden. Eines ist dabei aber hilfreich: Wer sich zu viel vornimmt, könnte schnell scheitern und enttäuscht über sich selbst dann gleich alle seine guten Vorsätze sein lassen. Bleiben wir also realistisch und nehmen wir uns lieber etwas Kleines vor, dann darf es uns auch mit Freude erfüllen, es geschafft zu haben.


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Fastenzeit und freue mich schon auf das gemeinsame Osterfest.

Ihr

Pfarrvikar Martin Arndt