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Geistliches Wort

Erzählung vom wunderbaren Fischfang

Predigt in den Sonntagsgottesdiensten
am 10. Febr. 2013 in Teltow und Kleinmachnow
(Ev. Lk 5,1-14: Erzählung vom wunderbaren Fischfang, nur bei Lk)

Im heutigen Lukas Ev. geht es um den wunderbaren Fischfang. Es ist ein Gleichnis, eine nachdenkliche Geschichte aus der Arbeit der Fischer. Der Vorschlag Jesu, die Netze zum Fischfang auszuwerfen, stößt bei Petrus und seinen Kollegen auf großes Unverständnis. Warum? Sie sind überzeugt, dass sie besser als Jesus Bescheid wissen, wann es Zeit ist, die Netze zum Fischen in den See zu werfen. Jesus bestätigt den erfahrenen Fischern ihre professionelle Vorgehensweise. Betonen möchte er aber, dass ihre verständliche Vorgehensweise nicht für die Verkündigung der Botschaft Jesu gilt. Konversionen zum Glauben laufen oft anders.

Dazu möchte ich ein anschauliches Beispiel aus unserer Ordensgemeinschaft der Salvatorianer bringen, die von P. Franziskus Jordan in Rom 1881 gegründet worden ist. Unserem Ordensgründer ging es von Anfang an um eine internationale Ordensgesellschaft, um überall missionarisch zu wirken und Menschen für Botschaft Jesu gewinnen zu können. Die Missionierung in Indien ging  zu seiner Zeit nur schleppend voran, vor allem im hohen Nordosten von Indien in Assam, nahe dem Tibet gelegen. Der damalige Papst Leo XIII. vertraute unserem Gründer 1889 dieses flächenmäßige gewaltige Missionsgebiet an, in dem etwa 6.500 Christen, darunter 351 Katholiken, lebten.

Fast 125 Jahre sind seitdem vergangen. Heute existieren in Assam zahlreiche Bistümer. Die Anzahl der Katholiken ist enorm gewachsen. Unsere Ordensgemeinschaft hat verschiedene Niederlassungen in Assam, darunter einige Schulen. Es gibt eine enge Partnerschaft zwischen unseren  Schulen in Assam und den Schulen in unserer Trägerschaft in Deutschland. Vor vierzehn Tagen vom 26. Januar bis zum 1. Februar kam eine indische Schuldelegation, darunter vier Salvatorianer, nach Berlin, um sich mit der Salvator-Schule in Berlin-Waidmannslust auszutauschen. Viele schulische Veranstaltungen sind durchgeführt worden. Das Verständnis füreinander ist trotz großer kultureller Unterschiede gewachsen. Weihbischof Matthias Heinrich feierte mit allen einen Festgottesdienst.

Kommen wir auf unser Sonntagsevangelium mit dem wunderbaren Fischfang zurück. Heute belastet uns zutiefst, dass die Glaubenssubstanz bei vielen Katholiken, aber auch bei anderen Christen in unserem Staat, abnimmt. Inzwischen ist unser Land selbst ein großes Missionsland geworden. Unsere Bischöfe haben sich darüber verschiedene Male geäußert. Wir spüren es auch in unseren Pfarrgemeinden vor Ort, wie die Kirchenbesucher abnehmen und zur Distanz zur Kirche gehen. Da hinein trifft uns das Wort Jesu genauso, wie damals die Jünger:  „Fahrt hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus“ (V. 4). Diese deutliche Aufforderung an Petrus ist in dieser Stunde auch an uns gerichtet. Freilich große Zweifel wie Petrus empfinden wir ebenfalls, denn wir kennen unser schwieriges Umfeld. Aber vertrauen wir dennoch dem HERRN, dass er uns heutzutage genauso die Augen öffnen möchte und das richtige Handeln zeigen wird, wie er es zu allen Zeiten praktizierte. Bleiben wir aus diesem Grunde aufmerksame Hörende für die ‚Zeichen der Zeit‘ und vor allem geduldig, denn der Mensch denkt und Gott lenkt.  

P. Karl Hoffmann SDS