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40 Jahre Orgel

Georg von Glowczewski M.A.

40 Jahre Jehmlich-Orgel in Teltow


Eine der Sehenswürdigkeiten der 1957 eingeweihten katholischen Pfarrkirche „Sanctissima Eucharistia“ in Teltow ist zweifelsohne die Orgel.
Die Pläne und die Konzeption sind in diesem Jahr – 2009 –  50 Jahre alt. Doch die Weihe der Orgel, erbaut von der Orgelbaufirma Jehmlich in Dresden, fand im Rahmen eines Festgottesdienstes mit dem damaligen Berliner Weihbischof Heinrich Theissing, am 14. Mai 1969 statt. Also vor genau 40 Jahren!
Mit dieser 21 Register umfassenden Orgel wurde Teltow zu einem Zentrum der Kirchenmusik bis heute.

Ein Blick zurück in die Geschichte: Unmittelbar nach Fertigstellung der neuen Kirche in Teltow hatten der damalige Pfarrer, Prälat Dr. Kurt Heinrich, und der Kirchenvorstand Überlegungen zur Anschaffung einer Orgel angestellt. Der damalige Orgelsachverständige im Bistum Berlin, Professor Joseph Ahrens, wurde von der Teltower Gemeinde beauftragt, ein Dispositionsentwurf für eine zweimanualige Orgel zu erstellen und entsprechende Angebote bei den Orgelbaufirmen Eule (Bautzen), Schuke (Potsdam) und Jehmlich (Dresden) einzuholen. Das war vor genau 50 Jahren. Man einigte sich damals auf ein Orgelprojekt der Firma Jehmlich in Dresden:für damals 52.125 Mark. Einen Zuschuss vom Bischöflichen Ordinariat in Höhe von 10.000 Mark und fleißige Sammler und Spender in der Gemeinde sorgten dafür, dass die Finanzierung gesichert werden konnte. Doch es dauerte noch seine Zeit – die Lieferzeit war auf fünf Jahre angesetzt. Dabei blieb es aber nicht. 1965 erfolgte die Einfuhrgenehmigung von Westmaterialien (Orgelmotor, Zungenregister u.a.) auf dem Spendenweg durch die DDR-Behörden. 1968 reiste der Nachfolger des mittlerweile verstorbenen Pfarrers Prälat Heinrich, Horst Rothkegel, zusammen mit der Orgelsachverständigen im Ostteil des Bistums, Frau Dr. Johanna Schell, und der damaligen Teltower Kirchenmusikerin Anita von Malotki, nach Dresden und klärte bei der Orgelbaufirma letzte Detailfragen, z.B. die Registerzahl der Orgel (21)  und das Gehäuse aus Massiv-Eiche. Mittlerweile war die Gesamtsumme auf 66.600 Mark angewachsen. Als Liefertermin wurde Frühjahr 1969 vereinbart, was dann auch eingehalten wurde. Und so wurde das Instrument pünktlich am 14.Mai 1969 eingeweiht.
In der Teltower Pfarrchronik wird berichtet: „Das alte Pedalharmonium hatte nun ‚ausgedient’ und wurde ‚ofenfertig’ zerlegt.“


Man kann sich das heute, angesichts der Finanzkrise unseres Erzbischöflichen Ordinariats, gar nicht mehr vorstellen: Teltow hatte bereits seit dem 1.April 1963 (bis 2004) noch eine hauptamtliche A-Musikerstelle! Frau Anita von Malotki, (später verheiratet unter dem Namen Köck und 1971 ausgereist nach Mainz)  hatte Kirchenmusik an der Hochschule für Musik in Berlin-Charlottenburg studiert und 1960 dort ihr Staatsexamen abgelegt. Ihre Nachfolgerin Marianne Reinisch war 35 Jahre lang hauptamtliche A-Kirchenmusikerin, Organistin und Chorleiterin in Teltow.
Die Teltower Orgel wurde somit über die Grenzen der Gemeinde bekannt. Nicht nur als Instrument für die Gottesdienstbegleitung, sondern vielmehr auch als Anreiz für junge Leute, das Orgelspiel zu erlernen. Frau Dr. Johanna Schell aus Potsdam hatte gerade diese Orgel für die Ausbildung von „Nachwuchs-Organisten“ in den Pfarrgemeinden des Ostteils des Bistums ausgewählt. Sie konnten hier ihre „C-Ausbildung“ als Organisten und Chorleiter „im Nebenamt“ absolvieren. Dozenten waren dabei Frau von Malotki und später Frau Reinisch, die ja auch als A-Kirchenmusikerin an der Hochschule für Musik ihr Staatsexamen 1960 gemacht hatte. Das war ein Jahr vor dem „Mauerbau“.
Unter Frau Dr. Schell und Frau Reinisch sind aus der Teltower Pfarrgemeinde drei (nebenamtliche) Organisten hervorgegangen, die bis heute aktiv sind in der sonntäglichen Orgelbegleitung: Veronika Breitenbach geb. Schröder (C-Prüfung: 1978), Andreas Schröder (aus Großbeeren) und Daniel Preuß (langjähriger Küster).

Zum 20-jährigen Kirchweihjubiläum 1977, zum zehnjährigen Orgeljubiläum 1979 und zum Silbernen Dienstjubiläum von Frau Reinisch 1996 waren dann jeweils Orgelkonzerte mit Frau Dr. Johanna Schell in der Kirche, aber auch Konzerte des mittlerweile über die Grenzen hinaus bekannten Kirchenchores.
Vor zehn Jahren – 1999 – gab es eine Generalüberholung und Reinigung der Orgel durch die Firma Jehmlich aus Dresden. Und am 29. Oktober 2006 wurde Frau Reinisch – nach 35-jähriger Tätigkeit als Kirchenmusikerin, zuletzt nur noch ehrenamtlich tätig – offiziell verabschiedet.
Der Nachfolger, Johannes Kaufhold hatte nur noch eine „Viertel-Stelle “. Derzeit übernimmt hauptsächlich Frau Veronika Breitenbach die Organistenstelle nahezu ehrenamtlich. Doch die Kirchenmusik in Teltow mit der schönen Orgel und dem Chor wird hoffentlich weitergehen!

Georg von Glowczewski